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Entstehung und Entwicklung bis 1917
Nachdem die AEG - Stadtbahn Halle ihr Straßenbahnnetz ab 1891 vollständig auf elektrischen Betrieb umgestellt hatte, sah sich auch die Hallesche Straßenbahngesellschaft genötigt ihre Pferde
in Pension zu schicken und auch auf ihren Linien den elektrischen Betrieb einzuführen.
Da das bisherige Depot in der Klosterstraße, welches seit 1882 bestand, nicht mehr den Anforderungen genügte, kaufte die Hallesche Straßenbahn ein Grundstück in der Gemeinde Giebichenstein. Das Grundstück umfaßte eine Fläche von 5567 Quadratmetern. Die 1898 erteilte Bauerlaubnis sah den Bau eines Dienstgebäudes, einer Wagenhalle und eines Kraftwerkes vor.
Die Wagenhalle sollte sechs Gleise mit einer Länge von je 80
Metern erhalten. Die Zufahrt sollte mittels Weichen erfolgen. Ferner waren eine
Drehscheibe und ein Waschgleis, sowie ein Werkstattanbau vorgesehen. Das Depot
wurde als Ziegelrohbau mit gelben und rötlichen Ziegeln errichtet. Die
Dachkonstruktion besteht aus Holzbindern. Weiterhin sollte der Fußboden aus
hochwertigem Ziegelpflaster erstellt werden. Hinter der Hallenwand sollte auf
jedem Gleis eine Revisionsgrube errichtet werden.
Die Reparaturwerkstatt wurde in eine Schmiede, einen Vorratsraum und der eigentlichen Reparaturwerkstatt mit Reparaturgrube eingeteilt und errichtet. Die Kraftstation bestand aus einem Kessel- und Maschinenhaus. Das Kesselhaus hatte eine lichte Weite von 28 mal 14,5 Metern und eine Höhe von 9,5 bzw. 7,5 Metern. Das Maschinenhaus wurde mit einer Fläche von 24 mal 13 Metern und mit einer lichten Höhe von 10 Metern errichtet. Im Maschinenhaus sollten 3 Maschinen zur Aufstellung gelangen, weiterhin sollten im Kesselhaus 3 Kessel aufgestellt werden. Für die Lagerung der Kohlen sollten drei Bunker mit einem Fassungsvermögen von je 100 m³ errichtet werden.
Der
notwendige Schornstein sollte 45 Meter hoch und ebenfalls in Ziegelbauweise
errichtet werden.
Für die Instandhaltung der 34 Triebwagen und 11 Beiwagen waren 18 Arbeiter
vorgesehen.
Weiterhin war die Werkstatt mit einer Radsatzdrehbank mit hydraulischer Presse, einer kleinen Drehbank, einer Hobelbank und einem Bandagenwärmer ausgerüstet. Schon wenige Jahre nach der Eröffnung am 15. März 1899, stellten sich die Werkstattbereiche als zu klein heraus. Als erste Erweiterung erfolgte die Verlängerung des Werkstasttanbaus um einige Meter. Im Laufe der Jahre wurde die Werkstatt durch weitere Erweiterungen auf schließlich drei Gleise erweitert.
Diese erhielten die Bezeichnung 7, 8 und 9. Während das Gleis 7 an Gleis 6 angeschlossen war, mußten die Gleise 8, 9 und später das Freigleis 10 über die zweite Toreinfahrt angeschlossen werden. Kritisch war hierbei der Kurvenradius, vorallem die Gleise 5 und 7 mußten mit einseitig gelösten Kupplungen befahren werden.
1917 bis 1928
Nach
der Übernahme der Halleschen Straßenbahn in städtischen Besitz wurde das
Kraftwerk stillgelegt, da der Strom billiger aus den städtischen Kraftstationen
bezogen werden konnte.
Nach der Vereinigung mit der AEG - Stadtbahn im Jahre 1917 war die gesamte
Verwaltung der Städtischen Straßenbahn Halle im Depot Seebener Straße
angesiedelt. Mit der Vereinigung beider Bahnen wurden vom Depot Seebener Straße
vor allem Linien besetzt, die im Norden von Halle begannen oder endeten. Bis in
die 70er Jahre hinein wurden traditionell die Linien 3, 7 und 8 mit Fahrzeugen
des Depots gefahren. Ab 1919 wurde das Depot durch den Neubau des Betriebshofes
Freiimfelder Straße entlastet. Dort entstand auf einer Fläche von über
100.000 Quadratkilometern
der größte Betriebshof der Halleschen Straßenbahn mit Verwaltungs- und Werkstattgebäuden.
1928 bis 1945
Im Betriebshof 2, dem Depot Seebener Straße, waren nach 1928 vor allem Fahrzeuge der Baujahre 1898 bis 1920 beheimatet. Durch die Beschaffung von neuen Fahrzeugen ab 1927 wurde auch ein Teil der sogenannten "Kirchenfensterwagen" im Depot Seebener Straße unterhalten und eingesetzt.
Im 2. Weltkrieg unzerstört, konnte der Betrieb nach Instandsetzung der Strecken relativ zügig aufgenommen werden.
1945 bis 1970
Mit der Lieferung der Neufahrzeuge vom Typ T 50/54 (LOWA) begann der Stern des Depot Seebener Straße zu sinken, da die Kurvenradien der Einfahrgleise für die größeren Fahrzeuge zu eng waren. Zwar konnten kleinere Umbauarbeiten an der Gleisharfe gewährleisten, daß die Gleise 2 bis 5 von diesen befahren werden konnten, eine optimale Abstellung war allerdings nicht möglich. Daher wurden verstärkt Altbauwagen in der Seebener Straße beheimatet. Mit zunehmender Beschaffung der Typen ET 62/EB 62 ab 1964, sank die Zahl der Altbaufahrzeuge. Durch Rationalisierungen bei der Instandhaltung wurde bereits ab 1966 eine Schicht in der Werkstatt eingespart, da die Fahrzeuge des Betriebshofes in die Freiimfelder Straße einrückten und untersucht wurden. Danach wurden diese Züge als Dienstfahrt zum Depot Seebener Straße überführt. Die täglichen Wartungsarbeiten wurden weiterhin für die Line 3 im Betriebshof Ammendorf und für die Linie 7 in der Freiimfelder Straße durch Wagentausch realisiert. Ab etwa 1968 rückten im Betriebshof Seebener Straße planmäßig keine Züge mehr ein oder aus. Daher wurde die Werkstatt zur Lehrwerkstatt umgebaut. Die Gleise 7, 8, 9 und 10 wurden geschlossen. Nur über die nördliche Einfahrt konnte die Wagenhalle erreicht werden.
Die Halle wurde nun als Abstellhalle für Arbeitswagen und Kraftfahrzeuge, sowie als Lager genutzt.
1970 bis heute
Ab den 70er Jahren wurden schrittweise historische Fahrzeuge in der Wagenhalle hinterstellt.
Ab dem 21. März
1982 wurde auf dem Gleis 10 der Güterverkehr mit der Straßenbahn in Halle
aufgenommen. Speziell
hergerichtete Fahrzeuge fuhren von dem Depot Seebener Straße nach Leuna Waren
des täglichen Bedarfs. Erst 1989 wurde
dieser Verkehr eingestellt. Zum 100-jährigen Jubiläum des elektrischen
Betriebes der Straßenbahn Halle im Jahre 1991, erhielt die Wagenhalle wieder ihr
ursprüngliches Aussehen zurück.
welches mit einer Sonderausstellung gefeiert wurde.