Unser Bild zum Sonntag

Nachdem wir vor drei Wochen auf den aktuellen Inselverkehr im malerischen Sonnenuntergang geblickt haben, führt uns unser heutiges Bild zum Sonntag wieder ins Überlandgebiet: Wir blicken auf einen Jahrestag zurück, der Vielen noch im Gedächtnis ist: Die Einstellung der Linie 15 in Merseburg am 29.04.2016.

Das heutige Motiv mag auf den ersten Blick ungewöhnlich anmuten, wurde die Linie 15 doch zwischen Merseburg-Süd (II) und Merseburg Zentrum betrieben. Am 1. Dezember 1960 zunächst als Verstärkungslinie zur damaligen Linie 33 unter der Betriebsnummer 35 eingeführt, da durch das Neubaugebiet in Merseburg-Süd deren 40-Minuten-Takt nicht mehr ausreichte, wurde sie am 1. Juni 1981 in das Nummernschema der VE Verkehrsbetriebe als "Linie 15" überführt und zunächst vollständig auf Tatra-Heck-Traktionen umgestellt. Die Wendeschleife in Merseburg-Süd folgte am 5. Juni 1984. In Merseburg/Zentrum befindet sich bis heute eine Kopfendstelle.

Zum Aufnahmezeitpunkt im März 1996 war die Merseburger Innenstadtlinie vom Stadtzentrum an der "Hölle" nach Schkopau/Bunawerke verlängert worden, sodass auch Einrichtungsfahrzeuge eingesetzt werden konnten. Am Fuße der Werke - einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Verknüpfung von Straßenbahn und Industrie im Raum Merseburg steht - wartet Triebwagen 1151 seine Wendezeit ab. Glücklicherweise hatte der Fahrer einen Fotoapparat im Gepäck.

Leider war die Nachfrage nach der verlängerten Linienführung nicht in dem Umfang erreicht, dass sich dieser Betrieb langfristig rentiert hätte. Seit den 1990er Jahren nahm bereits der Berufsverkehr um die Chemiewerke Buna und Leuna ab, sodass die dafür eingesetzten Einsatzwagen bereits aus dem Stadtbild verschwanden. Die Linie 15 wurde schließlich wieder als Binnenlinie innerhalb der Stadt fortgeführt. Sie nutzte bis zur Einstellung die Gleisanlagen der Linie 33 und verfügte über lediglich sieben Haltestellen, sodass mit einem Fahrzeug ein 30-Minuten-Takt erreicht werden konnte.

Mit der Einstellung der Linie 15 im Jahr 2016 gingen die Verkehrsleistungen auf die Linie 5 über, die damit weiterhin die Verbindung zwischen Halle, Schkopau und Merseburg als eine der längsten Straßenbahnlinien Deutschlands aufrechterhält. Sie ist ein lebendiges Stück regionaler Verkehrs‑ und Arbeitsgeschichte - zwischen Merseburger Alltagsmobilität, Industriearbeit und der fortbestehenden Bedeutung der Straßenbahn im Saalekreis.

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